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Warum deine Beziehung nur so gut sein kann, wie du sie führst

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Eine Beziehung führen: Was Partnerschaft mit Führung zu tun hat

Du hast dich in deinen neuen Partner verliebt, alles läuft gut und ihr seid ihr ein glückliches Paar geworden. Du gehst davon aus, dass du auch weiterhin eine glückliche Beziehung haben müsstest, als ob dies von ganz allein passieren würde. Du tust so, als ob dein Partner dich mit Liebe und Zuneigung beschenken müsste und dies für immer und ewig. Und dann merkst du auf einmal, dass dies nicht so ist. Erste Konflikte brechen auf; manchmal findest du die neue Beziehung nicht mehr so erfüllend. Du bist enttäuscht; vielleicht machst du deinem Partner Vorwürfe, weil er dir anscheinend doch nicht gibt, was du haben willst. Wenn dir das passiert, gib nicht gleich auf: Es könnte sein, dass du in einer klassischen „Beziehungsfalle“ gelandet bist. Und für die gibt es eine einfache Lösung. Eine Beziehung führen – das bedeutet mehr als lediglich an einer Beziehung festhalten.

Willst du eine Beziehung haben oder in Beziehung sein?

Sabine und Peter, die ich gerade im Coaching begleite, sind mit ihrer Beziehung genau an diesem Punkt. Sie lieben einander sehr und ihre Zuneigung ist groß. Doch ihre Liebe fließt nicht mehr. Jedes Mal, wenn sie sich besonders nah waren und ihre Verbindung als besonders innig erlebt haben, kommt es plötzlich zu Verstimmungen. Sabine fühlt sich von Peter zurückgestoßen und macht ihm heftige Vorwürfe. Peter empfindet Sabines Vorwürfe nicht gerechtfertigt und zieht sich irritiert von ihr zurück. Er fragt sich, ob sie wirklich die Richtige für ihn ist. Sabine verunsichert das natürlich nur noch mehr. Als wir das Geschehen zwischen ihnen in einer Paarsitzung genauer betrachten, fällt ihnen auf, dass beide jeweils darauf warten, dass sich der andere in seinem Verhalten ändert. Beide warten darauf, dass der andere die erlösenden Worte findet, die verfahrene Situation „wieder gut macht“ und die Beziehung rettet. Sich selbst erleben beide in ihren Konfliktsituationen eher als klein und hilflos, ihren Partner hingegen als stark und übermächtig.

Im Laufe unserer Sitzungen realisieren Sabine und Peter, dass sie manchmal noch einem überholten Modell von Partnerschaft anhängen. Beide sehnen sich dann nach einer Beziehung, in der sie ohne viel eigenes Zutun vom anderen umhegt und gepflegt werden. Beide wünschen sich dann eine Beziehung, in die sie sich fallen lassen können und die sie dann auffängt; eine Beziehung, die emotionale Tankstelle oder sicherer Hafen sein soll. Dies ist die Vorstellung von einer Beziehung, die man hat und von der man glaubt, man könne sie auch weiterhin behalten. Doch dieses Modell von Partnerschaft als einer „Bedürfnisbefriedigungsbeziehung“ hat heute ausgedient. Das Alternativmodell, das ich auch Sabine und Peter an dieser Stelle anbiete, beschreibe ich gerne mit dem Satz:

Eine Beziehung ist nicht etwas, das man hat, sondern etwas, das man führt.

Auch Sabine und Peter kennen dieses Beziehungsmodell schon. Sie praktizieren es in den Zeiten, in denen ihre Partnerschaft gut läuft. Dann engagieren sich beide gern von sich aus für die Beziehung und fühlen sich gut und stark damit. Doch wenn ein Konflikt entsteht und alte Beziehungsmuster getriggert werden, fallen sie unbewusst auf das alte Modell zurück.

Eine Liebesbeziehung ist kein Ponyhof

Um dieses Thema ringen heute viele Paare in ihren Beziehungen – das erlebe ich in meinen Paarberatungen, aber auch in meiner eigenen Beziehung. Mal werden wir von kindlichen Erwartungshaltungen, Phantasien und Verhaltensmustern dominiert; und dann handeln wir wieder als erwachsene, seelisch gereifte Partner. Mal verhalten wir uns so, als hätten wir eine Beziehung gekauft wie einen Aufenthalt im Luxusresort und beharren darauf, dass unser Partner alles stehen und liegen lässt und uns sofort und bedingungslos glücklich macht. Dann wieder sind wir liebevoll zugewandte Partner; einfühlsam, gebefreudig und fähig zum Verzicht.

Solange wir der Vorstellung anhängen, unser Partner oder unsere Beziehung müsse uns glücklich machen, fallen wir zurück in kindliche Verhaltensmuster, wenn wir in dieser Erwartung enttäuscht werden. Wir reagieren gekränkt, bocken, mauern, toben oder zicken herum. Wir ringen miteinander um die Frage, wer mehr Schuld an diesem Elend hat. Wir verlangen von unserem Partner, dass er kommt, uns tröstet und alles wieder gut macht – ähnlich wie wir es von Mama oder Papa eingefordert haben, als wir klein waren.

Eine Beziehung führen: Partnerschaft als Führungsaufgabe

Genau an dieser Stelle brauchen wir ein neues Bewusstsein von Partnerschaft. In einem solchen Moment müssen wir uns daran erinnern, dass wir eine Beziehung führen müssen! Jetzt brauchen wir ein Verständnis davon, was es heißt, eine Beziehung selbstbewusst zu führen. Wir müssen daran denken: Es gibt noch einen anderen Weg! Jetzt ist Führung gefragt! Jetzt heißt es, die Beziehung bewusst lenken! Jetzt gilt es, konstruktiv zu sein! Jetzt kommt es darauf an, dass wir als „Führungskraft“ agieren und als engagierte, unterstützende Partner aufeinander zugehen.

Sabine und Peter schlage ich als Übungsaufgabe vor, dass beide erst einmal beobachten, in welchen Momenten sie sich in der Beziehung als „Führungskraft“ zeigen und ihre Begegnungen aktiv mitgestalten – und wann sie sich passiv, defensiv oder abwartend verhalten und dem anderen die Führung überlassen. Beide erkennen schnell, wie sie durch ihr Verhalten selbst zu den Konflikten beitragen, die sie emotional auseinanderbringen. Und sie fangen an, das bisherige Verhalten durch ein neues zu ersetzen. Immer besser gelingt es ihnen, vom alten Modell der Versorgungsbeziehung abzusehen und stattdessen selbst mehr in Führung zu gehen.

Einen Monat später, in ihrer nächsten Paarsitzung, berichten Sabine und Peter von ihren Fortschritten:

Altes Modell – Versorgungsbeziehung:

  • Sabine: „Ich erkenne jetzt meine Tendenz, mich von dem abhängig zu machen, was Peter tut und wie ich mich damit fühle. Erst dann reagiere ich und lasse ihn indirekt spüren, wie es mir damit geht. Meist hängen wir dann irgendwie fest und sind frustriert!“
  • Peter: „Ich warte normalerweise erst mal ab, was Sabine in die Beziehung „einbringt“ und wie es zwischen uns läuft – dann reagiere ich und bringe eventuell auch etwas ein, je nach dem, wie mir zumute ist.“

Neues Modell – die Beziehung bewusst führen:

  • Sabine: „Ich habe jetzt angefangen, mehr eigene Akzente zu setzen. Ich spreche jetzt freundlicher zu Peter, ich nehme ihn öfter in den Arm, ich präge die Atmosphäre zwischen uns aktiv mit – und zwar unabhängig davon, wie ich mich gerade fühle, ob ich energiegeladen oder erschöpft von der Arbeit nach Hause komme, ob Peter gerade nett zu mir ist oder nicht. Es geht mir viel besser damit – und ich glaube, Peter auch!“
  • Peter: „Das stimmt, es geht uns beiden besser damit! Auch ich gehe jetzt häufiger in Vorleistung und mache Vorschläge, was wir als Nächstes unternehmen könnten. Ich höre Sabine jetzt mehr zu und versuche offener für sie zu sein. Ich mache nicht mehr so schnell zu, wenn sie nicht gut drauf ist. Neulich waren wir wieder an so einem kritischen Punkt, und Sabine wollte gerade wieder mit ihren Vorwürfen loslegen. Da bin ich einfach dageblieben. Ich habe ihr liebevoll in die Augen gesehen und sie in den Arm genommen, auch wenn das noch etwas ungewohnt für mich war. Als Sabine gemerkt hat, dass ich bei ihr bleibe und mich nicht gleich angenervt abwende, konnte sie loslassen und wieder runterkommen. Wir konnten dann in Ruhe miteinander reden und der Konflikt war auf einmal kein Thema mehr. Seither sind solche Eskalationen nicht mehr vorgekommen.“

Ich bin beeindruckt von seinen Fortschritten und frage Peter, wie er das schafft: „Ganz einfach: Ich habe mir vorgenommen, ein Mann zu sein, der seiner Frau gut tut. Ich frage mich jetzt: Womit kann ich Sabine gerade gut tun? Ich will meine Freundin stärken und nicht schwächen – und unsere Beziehung auch. Ich schaue jetzt, wie ich zum Gelingen unserer Begegnung beitragen kann. Ich will derjenige sein, der die Brücken wieder aufbaut, der eine vertrauensvolle, stabile Verbindung zwischen uns ermöglicht – selbst wenn es gerade zwischen uns gekracht hat. Danach richte ich mein Handeln jetzt aus.“

In der Liebe geht es um das, was wir geben

Sabines Augen leuchten, als sie Peter sprechen hört, und mir ist klar: Wovon er spricht, das ist genauso ihre tiefste Sehnsucht. Auch sie will Brücken bauen. Auch sie möchte ihrem Freund gut tun. Auch sie will ihn stärken und nicht schwächen. Auch Sabine trägt eine Vision in ihrem Herzen – eine Vision von sich als Partnerin in einer Beziehung auf Augenhöhe. Eine Vision von sich als einer Frau, die einem Mann gut tut.

Als wir den Beratungsprozess in unserer letzten Sitzung gemeinsam auswerten, frage ich Sabine und Peter noch einmal, ob sie den Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen spüren und was er jetzt für sie bedeutet:

  • „Ich führe eine Beziehung.“
  • „Ich habe eine Beziehung.“

Beide bestätigen, dass sie jetzt offener miteinander umgehen und eine viel tiefere Verbindung zueinander spüren.

„Und das hat vor allem damit zu tun hat, dass wir ein neues Verständnis von Partnerschaft entwickeln. Ich verstehe jetzt viel besser, was es bedeutet, Partnerin zu sein und eine Beziehung zu führen“, sagt Sabine.

„Immer, wenn ich mich bedürftig fühle oder Panik hochkommt, weil Peter gerade nicht da ist, denke ich jetzt daran, dass ich doch schon längst eine starke Führungskraft bin in unserer Beziehung. Und ich erinnere mich, dass ich mir meine Bedürfnisse meist auch anders erfüllen kann. Ich sage mir dann, dass es in der Liebe nicht um mich geht oder darum, dass ich mich immerzu geliebt fühle. Sondern um uns, ums Wir! Es geht um das, was wir Geben und nicht um das, was wir kriegen. Es geht um etwas viel Größeres, und ich spüre dann, dass in diesem unendlichen Universum genügend Liebe für alle vorhanden ist. Und wenn ich das spüre, dann spüre ich zwar immer noch das bedürftige, ängstliche Kind in mir, das Liebe haben will – aber ich muss dann nicht mehr ins Drama gehen. Ich kann Peter dann weiter als erwachsene Frau begegnen und ihm eine echte Partnerin sein. Ich kann dann in Führung gehen und etwas Gutes für unsere Beziehung tun.“

Ist das ein Thema für dich und deinen Partner? Dann könnte euch eine Paarberatung weiterbringen. Du erreichst mich per E-Mail, kannst mich aber auch gern anrufen – beim kostenlosen telefonischen Vorgespräch kannst du mit mir über deine Fragen sprechen und erste Hinweise bekommen, was du in deiner Situation tun kannst.

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